Leben ist jetzt

Manche Geschichten sind zu Ende, bevor die Tinte auf Seite 12 überhaupt trocknen konnte. Gerade noch schlenderte man am Wasser entlang, betrachtete andächtig den ersten gemeinsamen Sonnenuntergang und malte sich rosarote Zukunftsbilder aus. Für die nächsten Tage, Wochenenden – ja, vielleicht sogar bis zum Ende des Jahres. Doch manchmal hat das Leben andere Pläne. Solche, die wir im ersten Moment nicht als Chance zum Wachsen begreifen.

Das wars also. Aus und vorbei. Eine Liebe. Ein Job. Eine Freundschaft. Wie fühlt sich dieses „Vorbei“ eigentlich an? Schmerzhaft? Verletzend? Zurückstoßend? 3 x Ja. Am liebsten die Game Boy-Pause Taste drücken, eventuell auch vor- oder zurückspulen, nur bloß nicht genau hier an dieser Stelle sein – unfähig, etwas zu tun? Ja. All das spüren und all das sagen zu müssen, was jetzt gespürt und gesagt werden muss? Und noch mal ja.

Das unfassbar Schöne und gleichzeitig so Schmerzhafte ist, dass wir in diesen Momenten wirklich gelebt haben. Und geliebt. Im Hier und Jetzt. Ohne jegliche Vorahnung. Ohne die Angst aus dem Gestern. Mit vollem Herzen. Ohne Zweifel. Ohne zu überlegen, was denn wirklich in ein paar Monaten sein könnte. Ohne rosarote Brille, aber mit dem Geschmack von trockenem Rosé auf den Lippen. Diese Momenten sind so rein wie ein neues Leben. Und deshalb versetzen sie uns im Rückspiegel einen so tiefen Stich. Denn wir haben uns leicht gefühlt. Uns unbeschwert fallen gelassen. Waren verwundbar, verletzlich. Menschlich.

Und trotz dieser schmerzhaften Erfahrungen passiert es uns immer wieder. Diese großartige, kindliche Naivität setzt sich ans Steuer unseres Roboter-Gehirns, kickt mit einem lässigen Fußtritt alle Zweifel und Ängste über Bord und löscht dabei, zumindest  temporär, unseren Erinnerungsspeicher an all die Momente, in denen wir diesen Weg schon beschritten haben – und gescheitert sind. Zum Glück. Denn jetzt erinnern wir uns wieder daran, dass keine Verletzung je so groß sein kann, dass sie uns lähmt oder uns den Hunger aufs Leben nimmt. Leben, als gäbe es kein Gestern. Weil heute alles möglich ist.

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