15. Tag in New York – Die letzte Tour

Für unseren letzten, richtigen Tag in NYC hat Herr B. einen fulminanten Abschluss geplant: Am Abend geht es auf das gerade erst eröffnete One World Trade Center am Ground Zero inklusive Essen. Die Karten haben wir bereits in Deutschland bestellt. Bei der Anmeldung bekamen wir einen ersten Eindruck davon, wie ungeheuer unbedeutend Deutschland für die USA zu sein scheint: Als Herkunftsland konnten wir nicht Germany anklicken, sondern nur East-Germany. Ah ja… Der Mauerfall scheint sich noch nicht bis in alle Ecken von Amerika herum gesprochen zu haben. Wir freuen uns trotzdem auf den Besuch des neuen Gebäudes und richten unseren Tag dementsprechend aus: Spät aufstehen und lange frühstücken – insofern das hier im Land des Fast Food denn möglich ist. Dabei überlegen wir auch gleich, was wir uns noch ansehen möchten. Die Wahl fällt einstimmig auf den High Line Park und den Chelsea Market. Der High Line Park ist eine alte, 2,33 km lange, still gelegte Bahntrasse im Westen von Manhattan. Über den stufenartigen Aufgang gelangt man zum Eingang des Parks. Neben Bäumen sind hier auch Blumen und allerlei bekanntes und unbekanntes Gewächs zu finden, zwischen denen immer wieder die alten Gleise hervor blitzen. Der Weg ist mit Holzplanken ausgelegt.

 Von hier oben haben Herr B. und ich einen wunderbaren Blick in die Häuserschluchten von NYC und auf das ein oder andere Kunstwerk an den Häuserwänden.

     Nach gut einer Stunde mit zwischenzeitlichen Pausen in der Sonne verlassen wir den Park treppabwärts. Der Chelsea Market ist gleich um die Ecke. So sind es nur wenige Minuten Fußmarsch bis dahin. Der Markt ist recht unscheinbar in einem historischen Gebäude untergebracht. Ohne das Schild an der Fassade wären Herr B. und ich mit Sicherheit einfach daran vorbei gelaufen.

 Im Inneren ist es recht dunkel. Neben ersten Lädchen wie einem Weinhandel mit Stühlen davor und einem Brownie Shop säumen kleine Springbrunnen – für Amerika typische Architekturelemente – den Weg bis zu einer Gabelung. Dort treffen Herr B. und ich auf einen ersten Wegweiser.

 „Verhungern kann man hier nicht“, stellt Herr B. zufrieden fest. Als wenn das ein Problem wäre in den USA! Das Tolle am Chelsea Market aber ist nicht, dass es hier Essen gibt, sondern dass alles sehr liebevoll eingerichtet und präsentiert wird: Keine Massenware, kein Verkauf von Billigwaren, sondern alles qualitativ hochwertige Produkte. Es gibt neben Verkostungsstübchen Läden für Backwaren – mit einer erstaunlich großen Auswahl an Broten -, für Öle, Gewürze, Cup Cakes und z.B. Kaffeespezialitäten und auch Shops, die Delikatessen allgemein anbieten. In so einem schlagen wir zu und ergattern leckeres Popcorn mit Caramel Macchiato und Scotch und Nüsse mit Salt & Pepper – beides unglaublich lecker.

   Nach einer knappen Stunde gehen wir Popcorn snackend zurück Richtung Times Square. Auf dem Weg dahin läuft uns noch ein Sportgeschäft über den Weg, in das Herr B. schnurstracks hinein wandert. Daher bin ich mir gar nicht so sicher, wie viel Zufall hier tatsächlich mit im Spiel ist. Herr B. ist hier in seinem Element und deckt sich mit T-Shirt, Sportbeutel und Flip Flops derjenigen Sportmannschaften ein, die er bisher vernachlässigt hat. Na Gott sei Dank, die hätten sich bestimmt sonst noch beschwert! Nach einem Abstecher in den M&M Store geht es noch auf ein Abschiedsbier zu TGI’sF.

Mittlerweile ist es 17:00 Uhr und wir essen ein sehr verspätetes Mittagessen – vielleicht hat Herr B. doch Recht mit seiner offensichtlichen Angst, zu verhungern – im Europa Café. Im Anschluss geht’s gegen 19:30 Uhr zum One World Trade Center. Obwohl unsere Karten erst für 21:00 Uhr gelten, dürfen wir schon früher rein. Nach dem obligatorischen Check Up fahren wir im höchsten Gebäude der USA mit dem Fahrstuhl nach oben zur Aussichtsplattform in 406 Metern Höhe. Die Fahrt dahin ist schon ein echtes Erlebnis, denn an den Wänden des Aufzugs läuft eine Bildershow, die je nach aktueller Höhe den Ausblick nach draußen simuliert. Oben angekommen, werden wir in einen Raum geführt, in dem eine DIA-Show mit Impressionen an die Wand geworfen wird. Gerade als ich mich frage, ob der Projektleiter des 1 WTC – so die Abkürzung – ein Diashow Fan ist, fahren die Wände nach oben und geben den unvergleichlichen Ausblick auf NYC frei. Man hört ein großes „Oh!“ von allen Seiten. Das ist schon faszinierend! Herr B. und ich staunen über die großartige Aussicht und machen, wie die anderen Touris, erste Fotos. Als wir uns langsam beginnen, vor den Fenstern zu stauen, ruft eine Mitarbeiterin: „This is not the right place where you can take your pictures. Do this upstairs please!“ Vielleicht sollten sie hier Hinweisschilder aufstellen, wo man Fotos machen soll und wo nicht. Also fährt der Touri-Pulk mit der Rolltreppe weiter nach oben. Da bietet sich uns im Prinzip das gleiche Bild wie unten: ein unglaublicher Blick auf NYC – versperrt von Touris mit Kameras. Wir versuchen, den ein oder anderen Blick zu erhaschen und es gelingt uns. Fotos sind hier leider nur bedingt möglich, da der gesamte Raum verglast ist und es zu unschönen Spiegelungen kommt. Aber Herr B. und ich beschließen, dass es eh viel schöner ist, die Eindrücke im Gedächtnis abzuspeichern.

Der Ansicht sind hier wohl ausnahmslos Herr B. und ich. Denn als wir unseren Standort aufgeben, sehen wir noch aus den Augenwinkeln, wie sich zwei Asiaten um den freien Platz streiten.

Als Abschluss hatte Herr B. sich überlegt, dass wir im 1 WTC-Restaurant Abendessen könnten. Also suchen wir uns einen schönen Platz. Nach 1 Stunde haben wir uns dann auch bis auf einen Fensterplatz mit bester Aussicht vorgearbeitet.

   Dieser Erfolg wird von 2 Amerikanerinnen mit lobenden Blicken und einem Satz, den ich akustisch nicht ganz verstehe, belohnt. Herr B., der uns den Fensterplatz ergattert hat, entgegnet selbsverliebt – äh, selbstbewusst: „Die haben bestimmt gesagt, dass du einen guten Fang mit mir gemacht hast, weil ich uns den Platz besorgt habe.“ Genau, so wird’s gewesen sein. Nach 1,5 Stunden haben wir dann auch endlich unsere Getränke und nach 2 Stunden unsere Käseplatte vor uns stehen und lassen es uns mit Blick auf das bunte Lichtermeer schmecken. 

  

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