11. Tag in Arlington/Point Pleasant Beach – Komm, wir fahren ans Meer!

Weil unser letzter Shopping-Trip von Erfolg gekrönt war, wollen Herr B. und ich an unserem letzten Tag in Arlington noch dem in der Nähe gelegenen Potomac Mills Outlet in Woodbridge einen Besuch abstatten. Gleich nach dem Aufstehen geht es in die ca. 15 Minuten entfernte Mall. Der Komplex ist wesentlich größer als das vorherige Outlet bei den Niagara Fällen. Das trifft auch auf die Anzahl der Besucher zu. Nach unserem traditionellen Frühstück bei Starbucks erklingt der Shopping-Startschuss.

Nach 3 Stunden haben wir alle fünf Bereiche des Outlets durchkämmt. Herr B. macht wieder einmal das Rennen und verstaut seine Errungenschaften stolz im Wagen. Ich frage mich, ob ich mir langsam Sorgen um meinen guten Ruf machen muss.

Die Fahrt nach Point Pleasant Beach dauert etwas länger als geplant. Anstelle von 4 Stunden verlängern diverse Staus bei Washington, Philadelphia und Baltimore unseren Trip an den Beach. „Keine längeren Autofahrten auf Sonntage legen“ notieren Herr B. und ich uns auf unserer imaginären Beim-nächsten-Trip-beachten-Liste. Unterwegs halten uns die ewig gleiche Musik aus dem Radio sowie Franz Beckenbauers Ansagen aus unserem Navi bei Laune, der nicht müde wird, uns abwechselnd mit einem „schoarrrf rrrechts biddschöan“ oder „Ah, da kommt a Maudhäusl. Die wolln an Ihr Geld“ den Weg zu geleiten. Zwischendurch passieren wir immer wieder tolle Landschaften oder überqueren Brücken, von denen aus wir einen einmaligen Blick haben, wie auf den Susquehanna River oder das Gebiet bei New Castle.

Ein Blick gen Himmel bestätigt Herrn B. und mir, das die Radiomoderatoren mit ihrer seit Tagen angedrohten Prognose der Thunderstorms wohl heute Recht behalten werden: Dunkle Wolken ziehen am Hinmel auf und verfolgen uns von nun an auf unserer Fahrt. Als kurz vorm Zielpunkt die Verkehrsführung etwas undurchsichtig wird und „der Kaiser“ in dieser heiklen Situation verdächtig ruhig ist, haben wir kurz Sorge, er habe sich mit Weißwürschtl und Weißbier in den Feierabend verabschiedet. Herr B. reagiert geistesgegenwärtig und aktiviert seine Naturburschen-Skills. „Da, eine Möwe“, ruft er und zeigt aus dem Fahrerfenster. „Dann kann das Meer nicht mehr weit sein.“ Es hat Vorteile, mit einem Hamburger Jung zu reisen.

Gegen 19:00 Uhr kommen wir am Point Pleasant Beach an. Die Temperaturen sind nun tatsächlich etwas kühler als an den vorherigen Tagen. Anstelle von 33 Grad wehen uns hier frische 25 Grad um die Nase – Luxusprobleme. Zum Check-In gehen wir in das kleine Office im Beach Motel Windswept. Die ältere Dame an der Rezeption begrüßt uns sehr freundlich. Nachdem die Formalien geklärt sind, halten wir ein wenig belanglosen Small Talk, wie sich das für die USA gehört. Ob im Food-Market bei der Abwicklung der VISA-Kartenzahlung, beim Tanken oder im Hotel beim Warten auf den Rechnungsausdruck: Hier käme niemand auf die Idee, einem Fremden gegenüber zu stehen, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Schweigmomente, und dann vielleicht auch noch unangenehme, wie man sie schon zuhauf erlebt hat, gibt es in Amerika einfach nicht. Die Dame hinter der Rezeption fragt uns also nach unserer bisherigen Tour und wo es im Anschluss noch hingehen soll. Als wir „New York“ sagen fragt sie begeistert, ob wir denn auch schon ein play gesehen hättet. Herrn B.’s Augen leuchten. Schon wieder jemand, mit dem er sich über Baseball unterhalten kann. Und dann auch noch mit einer Frau. Begeistert sprudelt es aus ihm heraus und er erzählt von unserem Tag im Yankees-Stadion. Die Dame guckt etwas irritiert und antwortet lächelnd: „Sounds nice. But I was actually talking about the shows at the Broadway-Musical.“ Herr B. und die Beach Motel-Dame surfen offensichtlich doch nicht ganz auf einer Wellenlänge. Aber das macht nichts. Das Motel mit unmittelbarem Meerblick und unser Zimmer sind auch so sehr schön. Das Zimmer liegt in der 2. Etage und ist genau so, wie ich es mir in einem Motel am Strand vorstelle: Klein, gemütlich, mit viel Holz und maritimen Accessoires.

       Wir fühlen uns sofort wohl. Auf Empfehlung der Dame am Empfang beschließen wir gegen mittlerweile 20:00 Uhr, The Shrimp Box zu Fuß aufzusuchen. Als wir das Restaurant gegen 21:00 Uhr nach ein paar ungeplanten Umwegen erreichen, hängen unsere Mägen auf halb Acht. Herr B.’s Magen ist aus lauter Verzweiflung glaub ich schon in den Stand by-Modus herunter gefahren. Denn Herr B. macht den ganzen Weg über den Mund nur zwei Mal auf – und das, um zu gähnen. Dafür werden Herr B. und ich bei unserer Ankunft mit einem großartig leckeren Abendessen belohnt – am Meer natürlich Fisch! – , das wir mit Blick auf den Hafen genießen.

       

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