5. Tag in NYC/Boston – On the road

Für unseren Roadtrip hatten Herr B. und ich in Deutschland bei Hertz ein Auto angemietet. Da man sich mit einer Reisschüssel (Definition „Reisschüssel“: Extrem kleines Auto, häufig japanisches Fabrikat) laut Herrn B. nicht auf amerikanische Straßen wagen konnte, entschieden wir uns für ein größeres Modell. Am Morgen unseres 5. Tages ist Herr B. nicht nur wegen des Jetlags früh wach. Heute ist sein Geburtstag und als ich aufwache, sehe ich ihn schon mit seinem iPhone im Bett neben mir liegen und Glückwünsche lesen. Heute hätte ich gut noch 1-2 Stunden länger schlafen können. Aber so ist das ja oft. Gegen 9:30 Uhr verlassen wir die Wohnung, die immer noch Ty freie Zone ist. Ab 10:00 Uhr haben wir das Fahrzeug gemietet und wir müssen unsere plötzlich viel volleren und schwereren Koffer einmal durch New York City wuchten. Die Stadt ist wegen des Memorial Day heute ein wenig leerer als sonst. Aber wirklich nur ein wenig. Auf unserem Weg zur Autovermietung in der 43. Straße werden wir zum
ersten Mal seit unserer Ankunft in NYC von 2/3 der Touri-Fänger, die für Bike-Rentals, Bustouren oder Sightseeing-Trips werben, gemieden. Zu voll beladen. Herr B., der mit seinem Koffer über den Time Square voraus rast, und dem ich mit Schweißperlen auf der Stirn über die nicht weniger werden wollenden Ampeln und Touri-Gruppen hinter hechte, ruft mir fröhlich zu: „Cool, die nerven uns heute gar nicht. Wir sollten öfter mit unseren Koffern in der City rumlaufen.“

In der Autovermietung angekommen, läuft Dank Herrn B.’s großartiger Planung alles wie geschmiert. Das fällt auch einem deutschsprachigen Paar auf, das mit uns in der Station wartet, und sich über die eher schleppende Abwicklung bei den Kunden vor uns beschwert hatte: „Ah, die Deutschen sind natürlich gut vorbereitet.“ Herr B. grinst von einem Ohr zum anderen und wirft mir einen triumphierenden Blick zu.

Wir verstauen unsere Koffer in unserem metallic-blauen Chrysler und richten uns für die Fahrt ein.

Unser Navi mit in Deutschland drauf gespielter USA-Karte funktioniert auch und „der Kaiser“ weist uns im schönsten Bayerisch den Weg heraus aus New York. Bevor wir auf die interstate fahren, gibt mir Herr B. noch letzte Instruktionen: „Guck bloß nicht in die anderen Wagen rein. Da fühlen sich die Amis provoziert.“ Kurz vor Boston setzt Herr B. sein frisch erworbenes New York Yankees Cappi ab. Vorsichtshalber. Hier jubelt man nämlich als echter Bostoner den Red Sox im Baseball zu und wir wollen ja niemanden mit einer falschen Cappi auf dem Kopf provozieren. Jetzt wird mir auch die absolute Notwendigkeit einer weiteren Cappi deutlich, die Herr B. am Abend vorher angesprochen hatte. Ich halte derartige Vorsichtsmaßnahmen ja immer für etwas übertrieben, aber Herr B. als langjähriger Fußballfan, der für seine Vereinszugehörigkeit auch schon mal eins auf die Nase bekommen hat, muss es besser wissen. Also runter mit der Cap.

Nach guten 4 Stunden kommen wir im Hotel Super 8 an, das etwas außerhalb von Boston in Watertown liegt. Beim Parken auf dem Hotelparkplatz taucht das erste Problem mit unserem Wagen auf. Wie als Mitglied einer technologisch fortschrittlich entwickelten Gesellschaft gelernt, drückt Herr B. auf das Symbol auf der Fernbedienung zum Verriegeln der Türen. Das Auto hupt und blinkt kurz zum Zeichen, dass alles geklappt hat. Aber als Herr B. am Fahrergriff zieht, um sich zu vergewissern, dass es auch tatsächlich verschlossen ist, öffnet sich die Tür. Herr B. und ich drücken noch 5 mal, mittlerweile etwas hektischer, auf der Fernbedienung herum, bevor wir, bewaffnet mit dem Auto-Handbuch, ein wenig ratlos zum Check-In ins Hotel gehen. Während Herr B. die Anmeldung ausfüllt, entscheide ich mich dafür, spontan den Herrn an der Rezeption um Rat wegen unseres Problems zu bitten, was von Herrn B. mit einem Tritt gegen mein Bein gewürdigt wird. „Der haut doch bestimmt gleich mit unserem Auto ab – jetzt, wo er weiß, dass es offen ist“, raunt er mir zu. Ich mustere den Mann: Er sieht mit seinen recht kurzen Beinen und aufgrund seines beträchtlichen Bauchumfangs nicht so aus, als wäre er scharf auf eine Verfolgungsjagd mit Herrn B. oder der Polizei. Aber ich werde es ja gleich sehen, wenn sich Herrn B.’s Vermutung bestätigen sollte. Tut sie natürlich nicht. Und nach kurzem Studieren des Handbuchs öffnet sich auch keine Autotür mehr nach dem Abschließen. Wir hatten den Fehler gemacht, nach dem Verriegeln mit dem Schlüssel in der Hand den Tür-Check-Up zu machen. Das Auto erkennt den Schlüssel aber ab einer bestimmten Entfernung und öffnet sich dann automatisch nach Betätigen des Griffs. Ob das jetzt so wirklich sicher ist, sei mal dahin gestellt.

Unser Hotelzimmer ist groß, sauber und mit Flatscreen und einem großen Boxspring-Bett ausgestattet, in dem sich bestimmt auch mein Jetlag wohl fühlen wird. Gegen 17:00 Uhr machen wir uns nach einer kurzen Diskussion über die Art der Fortbewegung los Richtung Stadt. Herr B. wollte mit dem Auto fahren, ich aber lieber zu Fuß. Weil man eine Stadt zu Fuß… – ihr wisst schon. Trotz Geburtstagsbonus setze ich mich durch. Die Sonne scheint einfach noch zu schön und auf der Fahrt zum Hotel hatte ich eine Wegstrecke an einem Fluss, dem Charles River, mit ganz viel Grün gesehen – da kann jetzt leider keine Rücksicht auf die eigentlich doppelt zählende Stimme von Geburtstagskindern genommen werden. Als wir die besagte Strecke entlang laufen, strahlt auch Herr B. übers ganze Gesicht. Die Umgebung ist traumhaft und der Charles River mit seinen vielen Paddlern und Booten weckt heimatliche Gefühle an die hamburgerische Alster.


Ohnehin ist Herr B. und mir in Boston vieles vertraut. Unser Baedeker verrät uns, dass Boston die europäischste Stadt der USA ist und trotz modernen und postmodernen Bürotürmen auch heute noch an ihrem kulturellen Erbe festhält. Nach fast 2 Stunden entlang des Rivers erreichen wir gegen 19:30 Uhr Cambridge mit der bekannten Harvard Universität. Auch die Boston Universität und das MIT (Massachusetts Institut of Technology) sind nicht weit von hier angesiedelt. Stadt und Leute sind tatsächlich ganz anders als in New York: Junge Menschen, vermutlich viele Studenten, die uns joggend oder paddelnd in Ruderbooten entgegen kommen. Food-Trucks oder Menschen, die im gehen essen, sucht man hier vergebens. Als wir an der Boston University entlang gehen und uns eine kräftige Bostonerin entgegen kommt, sagt Herr B. erleichtert: „Na Gott sei Dank, endlich mal wieder ein dicker Mensch.“

Apropos, neben den Füßen melden sich auch unsere Mägen wieder einmal zu Wort und wir halten Ausschau nach einem Restaurant oder einem Imbiss. Das Geburtstagskind darf wählen und entscheidet sich für Burger bei UBurger. Vielleicht auch, weil dort zwei Flatscreens hängen, die Baseball und andere Sportarten zeigen. Mit Burger, Salat, Coke und Coke Lime stoßen wir auf Herrn B.’s 30. an.

Mittlerweile ist es 21:00 Uhr und wir fahren nach einem Abstecher in einen Shop für Wasser und andere Kleinigkeiten mit dem Bus zurück zum Hotel.

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