Wo willst du hin?

Wann haben wir eigentlich angefangen, den Glauben an uns selbst zu verlieren – an unsere großen Träume, an unsere Werte und Visionen? Wann war dieser Augenblick, als wir begannen, uns von dem großen Ganzen mitreißen zu lassen und fremde Philosophien wiederzukäuen wie ein widerspenstiges, altes Brot, das wir noch nicht einmal mochten, anstatt auf unsere innere Stimme zu hören? Diese Stimme, die uns warnte, uns an die Hand nehmen und auf den Weg, unseren Weg zurückführen wollte, an den wir uns nur noch dunkel erinnern konnten. Wegen Missachtung fast vollständig verstummt, hielt sie dieses große Schild in den Händen, darauf hatte sie in edding-roten Buchstaben diesen einen Satz gekritzelt: „Bitte verlassen Sie dringend die gekennzeichneten Wege.“

Es gab keinen Anfang dafür, keinen Startschuss. Es geschah einfach – ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung und ganz ohne Schild mit großer Schrift. Und wir alle nahmen es hin, passten uns an und richteten uns ein – mit dem leisen Gefühl, dass es nicht richtig war doch scheinbar machtlos, etwas daran ändern zu können. Es war wie in einem bösen Traum, mit dem Unterschied, dass es kein Traum war, sondern das echte Leben. Denn aus einem Alptraum erwacht man irgendwann wieder. Aus dem Leben nicht. Also taten wir etwas. Wir standen wieder auf, packten unsere Sachen zusammen, richteten den Rücken gerade und gingen – in die andere Richtung.

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2 Kommentare zu „Wo willst du hin?

  1. Sehr schön geschrieben, meine ich, wenn auch die Perspektiven etwas traurig sind, solange wir die Erkenntnis noch nicht erfahren haben, aber auch wahr. Dafür, dass es nicht schleichend geschieht, wie Du schriebst, dafür sollten wir immer wieder die Fragen unserer Jugend stellen, WARUM, WOFÜR, WOHIN. Vielleicht erkennen wir die heimliche, schelichende Veränderung etwas früher und richten uns somit etwas früher auf und gehen in die andere Richtung. 🙂

    1. Danke für deinen Kommentar! 🙂 Genau darum geht es. Im Leben kann nicht immer die Sonne scheinen und es gibt auch mal dunklere Tage. Aber daran sollte man nicht verzweifeln, sondern in sich hinein hören und fragen, ob man so weitermachen möchte – die Fragen unserer Jugend stellen, wie du schreibst. Dann kommt die Erkenntnis vielleicht schon früher.

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